Warum die KPÖ Plus meine neue politische Heimat ist

Endlich tut sich was in der österreichischen Politiklandschaft. Bewegungen werden gestartet, neue Listen gegründet. Und endlich hat auch unser Kolumnist seine wahre politische Heimat gefunden. Es begann ganz unverfänglich und zaghaft. Ein freundlicher junger Mann sprach mich an. “Interessieren Sie sich für die KPÖ Plus?” säuselte er mir schüchtern entgegen. Er stand etwas verlassen und verloren inmitten eines kapitalistischen Einkauftempels. Musik drang aus den Lautsprechern. Die Menschen hetzten durch die Geschäfte. Seine zarte Stimme klang wie ein Versprechen auf eine bessere und ruhigere Welt ohne allgegenwärtigen Konsumzwang.

Wir kamen ins Gespräch. Schnell war uns klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Eine andere Welt musste einfach möglich sein. Andere Parteien hatten diese Utopie aufgegeben. Bewegungen und neu gegründete Listen suggerierten nur Veränderungen. In Wahrheit waren sie allesamt abhängig vom zerstörerischen, menschenfeindlichen kapitalistischen System. Das allein schränkt die Möglichkeit einer wirklichen Veränderung schon mal ein. Bewegungen sind in diesem Kontext eine reine Schimäre. Nichts bewegt sich. Alle sind nur dabei das System zu perpetuieren.

Für mich war das wie eine Erleuchtung. Dennoch ging ich weiter. Nicht ohne mich vorher freundlich und mit leuchtenden Augen von dem Jung-Kommunisten mit Mehrwert, denn dafür stand das neue Plus im Namen wohl, zu verabschieden. Seine Worte hallten lange nach. Dennoch kehrte ich wieder in meinen kapitalistisch geprägten Alltag zurück. Doch ich fühlte mich zunehmend schlechter und schuldiger, dass ich nichts gegen die unhaltbaren Arbeitsverhältnisse und gegen die wahnwitzigen Produktionsbedingungen tat.

Stunden später kehrte ich deshalb zurück in den Konsumtempel. Wie Schuppen war es mir inzwischen von den Augen gefallen. Ich sah wie Menschen, getrieben von ihren künstlich erzeugten konsumistischen Zwängen getrieben willenlos durch die Geschäfte torkelten. Der Plus-Kommunist war verschwunden. An seiner Stelle stand aber ein älterer Herr. Er wollte nicht gemeinsam mit mir die Welt und deren Zwänge hinterfragen. Er wollte nur meine Unterschrift. Ich wisse ja, die KPÖ Plus brauche Unterstützungserklärungen, damit sie antreten dürfe. Ohne mit der Wimper zu zucken unterschrieb ich. Wortkarg ging ich weiter. Der Alt-Pluskommunist bedankte sich.

Zuhause angekommen informierte ich mich weiter. Ich wollte dieses Leuchtturm-Projekt für eine bessere und freiere Gesellschaft nicht nur unterstützen, ich wollte Teil dieses Projektes werden. Erst jetzt erkannte ich den wahren Wert dieser Plus-Liste. Neben kommunistischen Grundsätzen, im Heute zweifellos wichtiger als jemals zuvor, bekam ich auch noch einer der visionärsten Politikerinnen der letzen Jahrzehnte geboten: Flora Petrik. Diese junge, engagierte Frau hatte damals Eva Glawischnig zur Weißglut gebracht. Sie hatte ihr, durch eine klare Haltung und einem klaren Bekenntnis zu den wahren Werten einer linken Partei, den Spiegel vorgehalten.

Jetzt fühlte ich mich noch besser und verstand jetzt erst, warum mich das Gespräch mit dem jungen Mann so nachhaltig beeindruckt hatte. Die KPÖ Plus war ein Sammelbecken für verkannte Politik-Genies, angeführt von Flora Petrik, die das böse System effizient bekämpfen würden. Ich geriet ins Träumen. Wenn auch noch Julia Herr, von der SPÖ bald endgültig verschmäht, zur KPÖ Plus wechseln würde, wären meine tagtäglichen und nächtlichen politischen Wunschträume erfüllt, ja von der Realität übertroffen. Ich klickte mich durch die Homepage und wählte “mitarbeiten” aus. Mein Weg zur Mitgliedschaft war vorgezeichnet.

Ich schreckte hoch. Es war 22:35. Ich war vor dem Laptop eingeschlafen. Verschlafen blickte ich auf den Bildschirm. Der “Abschiedsbrief” von Peter Pilz, der gestern vom “Standard” veröffentlicht wurde, war zu sehen. Weiters war ein Mail vom “Team Kurz” geöffnet. “Klicke hier und setz ein Zeichen für den neuen Stil in der Politik” stand ganz am Ende dieser E-Mail. Der Mauspfeil ruhte sanft auf dem drunter liegenden “Jetzt ein Zeichen setzen”.

Mit einem Mal war ich mir wieder unsicher. Ich schwankte nicht mehr nur zwischen Pilz und Kurz. Ich öffnete die Seite der KPÖ Plus. Ich fand heraus, dass diese tatsächlich gerade Unterstützungserklärungen in Innsbruck sammelte. Ich freute mich jetzt schon auf morgen. Finden würde ich die Plus-Kommunisten zweifellos in den kapitalistischen Tempeln des Bösen. Von dort aus würde die Revolution seinen Lauf nehmen. Die Revolution der politischen Landschaft in Österreich und meine innere Revolution gleichermaßen.

von Markus Stegmayr am 27. Juli 2017 veröffentlicht auf www.alpenfeuilleton.at

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