Win-Win-Situationen

Das Schwert des Damokles schwebt über den Köpfen der Lohnabhängigen. Der Unternehmer Habgier verlangt ein Mehr, Mehr und nochmals Mehr an Profit. Arbeitszeitgesetz und Überstundenzuschläge stehen da im Weg. Flexibilisierung heißt ihr Zauberwort: Seit Jahren steht sie zwar auf der Tagesordnung, die Normal-Arbeitszeit wurde in Salamitaktik scheibchenweise immer weiter ausgedehnt. Angeblich eine Win-Win-Situation für ihre Mitarbeiter_innen, denn diese brauchen sich keine unnötigen Gedanken machen, wie und wo sie ihre Überstundenzuschläge verprassen könnten.

Dem nicht genug, jetzt sollen sie wieder einmal ein paar Zuschlagszahlungen verlieren, indem sie zusätzlich »ab und zu« etwas länger arbeiten »dürfen«: nämlich bis zu 12 Stunden am Tag und am besten 60 Stunden in der Woche! Wieder eine Win-Win-Situation für uns Buggler_innen: Denn wozu so viel Freizeit, wenn ohnehin das Geld für‘s Freizeitvergnügen fehlt.

Schluss mit dem Sarkasmus! Liane Pircher analysiert den 12-Stunden-Arbeitstag in der TT vom 29.3.2017 und meint, »dass man sich nach solchen Tagen geschlaucht fühlt, dass praktisch keine Erholungszeit mehr über bleibt, weil sich der Tag auf Arbeiten, eventuell schnell was Einkaufen, Essen und Schlafen beschränkt. Pech, wer da noch Familienverantwortung trägt. Dafür bleibt wenig Energie: Ein Arbeitstag mit zwölf Stunden ist nicht kinderfreundlich. Erstens sind zwölf Stunden Betreuung außer Haus Kindern nicht zumutbar, zweitens müssten Eltern ihre Dienstpläne weit im Vorhinein kennen (was der Flexibilität schadet), denn es gibt auch so unpraktische Dinge wie Ferien zu managen. Ein 12-Stunden-Tag ist eher gut Verdienenden zumutbar, denn wer viel schuftet, braucht jemanden, der andere Arbeiten, etwa den Haushalt, für ihn erledigt. Das kostet. Am Laufrad gehalten werden können nur jene, die sich nach 12-Stunden-Tagen tatsächlich erholen können.«

Nicht viel hinzuzufügen, außer vielleicht wiederum sarkastisch, schon wieder eine Win-Win-Situation. Denn wer von der Arbeit krank wird, der liegt der Pensionsversicherung kürzer auf der Tasche und unsere Pensionen sind angeblich ohnehin nicht mehr finanzierbar,

meint Josef Stingl

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