Wohnen in Innsbruck: Leerstand und Wucher

Innsbruck ist offenkundig die teuerste Stadt Österreichs, wie aus der Auswertung des Immobilienportals Immowelt.at hervorgeht. In der Landeshauptstadt Tirols wurde bei der Gesamtmiete, d.h. Nettomiete plus Betriebskosten, die 16-Euro-Marke geknackt. Dahinter liegen Wien (14,90 €/m²) und Salzburg (14,50 €/m²). 

Auf dem Immobilienportal Immopreise.at kann mensch die Mietkosten der Wiener Bezirke mit denen von Innsbruck vergleichen. Daraus geht hervor, dass die Mietkosten Innsbrucks (hier mit 16,86 €/m² taxiert) lediglich Wien Innere Stadt (mit 19,47 €/m²) überbieten kann, während die Bezirke Mariahilf (16,28 €/m²) und Döbling (16,02 €/m²) in etwa mit Innsbruck gleichziehen. In den anderen Wiener Bezirken sind die Mietkosten niedriger, wenn auch immer noch viel zu hoch.

Eine weitere Tatsache lässt sich aus diesem Preisspiegel herauslesen: Vor allem Kleinwohnungen mit einer Fläche von weniger als 50 Quadratmetern erzielen verhältnismäßig hohe Mietpreise (19,79€). Offenkundig ist gerade dieses Segment besonders stark nachgefragt. Der Mangel an Kleinwohnungen ist besonders groß.
Auch der Immobilienpreisspiegel der Raiffeisen-Bank weist Innsbruck als teuerstes Pflaster Österreichs aus (Nettomiete ohne Betriebskosten 13,84 €/m²).

Eine weitere Tatsache wurde vor Kurzem öffentlich: In Innsbruck stehen rund 3000 Wohnungen leer. Der Wohnbaustadtrat Gerhard Fritz (Grüne) verweist richtigerweise darauf, dass sich unter diesen viele Anlegerwohnungen befinden. Auch hat er damit recht, dass die Stadt hier in direkter Weise keine Handhabe hat.
Ganz so einfach kann sich die Stadt Innsbruck jedoch nicht aus der Verantwortung stehlen. Es sei daran erinnert, dass auch die IIG dafür sorgt, dass Wohnungen leerstehen. So sind etwa im Eckgebäude Langstraße/Lindenstraße bereits 55 Wohnungen leer. Dieses soll abgerissen und neu aufgebaut werden, obwohl die Sanierung noch nicht lange her ist. Anstatt durch eine Aufstockung rascher zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, wird das Gebäude langwierig entmietet. Diese Leerstände hat die Innsbrucker Stadtregierung zu verantworten. Ob die zusätzlich 143 Wohnungen die hier entstehenden Kosten von 50 Millionen Euro wert sind, steht auf einem anderen Blatt.

Fritz selbst mag weniger Schuld daran haben, dass auf Bundesebene nicht mehr passiert, da die Grünen bislang noch nicht die Gelegenheit hatten, dort zu versagen. An der Innsbrucker Stadtregierung sind jedoch mit SPÖ und ÖVP auch die Regierungsparteien im Bund maßgeblich beteiligt. Dass hier kein Hebel besteht, um auf Bundesebene auf die Gesetzgebung einzuwirken ist kaum zu glauben.

Offenkundig sorgt das Bevölkerungswachstum in Innsbruck dafür, dass zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden muss. Wenn in den kommenden zehn Jahren etwa 8000 geförderte Wohnungen nötig sind, dann wird gebaut werden müssen, da der Wohnungsbedarf den ermittelten Leerstand deutlich übersteigt. Es sind hier politische Anstrengungen nötig, um sicherzustellen, dass in Innsbruck nicht Zustände wie im Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts Einzug halten. Der private Markt wird es nicht richten. Derzeit sind weder die Stadt Innsbruck noch das Land Tirol willens und in der Lage dazu, das zu tun, was nötig wäre.

Immer noch setzen Stadt und Land auf die Maximierung des Tourismus, obwohl gerade dieser offenkundig ein großer Preistreiber ist. Und hier tut sich eine weitere Frage auf: Hat nicht insgesamt in Tirol der Tourismus einfach zu viel Platz, der den Menschen, die hier leben einfach fehlt? Das wäre vielleicht eine viel wichtigere Frage , mit der sich die Politik beschäftigen müsste und nicht die, ob und wie gut Innsbruck und Tirol welche und wie große Events ausrichten können.

Peter Grüner (DOWAS) ist jedenfalls voll und ganz darin zuzustimmen, dass sich die Stadt zum sozialen Wohnbau bekennen muss. Doch dabei ist klar, dass auf allen Ebenen, Stadt, Land und Bund, an diversen Schrauben gedreht werden müsste. Stadt, Land und Bund müssen sich eindeutig zum Menschenrecht auf Wohnen bekennen und den Bedürfnisse der Menschen, die über kein Immobilieneigentum verfügen, Rechnung tragen.

Da nun auf Bundesebene gewählt wird, sei hier noch einmal auf einige Punkte verwiesen, die KPÖ PLUS auf Bundesebene für nötig erachtet:

Einheitliche, niedrige Mietobergrenzen (Kategoriemietzins für alle Wohnungen)
Abschaffung der Befristung von Mietverträgen
Abschaffung der Abwälzbarkeit von Maklergebühren auf Mieter_innen
Abschaffung der Vergebührung auf Mietverträgen
Verbot von Privatisierung öffentlichen Wohnungseigentums und Ausbau des kommunalen und öffentlichen Wohnbaus
Einführung einer Leerstandsabgabe

Und es kann nicht oft genug betont werden, was die oberste Maxime einer sozialen Wohnungspolitik sein muss:

ALLE MENSCHEN – OHNE AUSNAHME – HABEN EIN RECHT AUF EINEN MENSCHENWÜRDIGEN WOHNRAUM UND ES IST DIE PFLICHT DER GESELLSCHAFT, DIESES MENSCHENRECHT ZU GARANTIEREN!

Roland Steixner
(ist KPÖ PLUS Spitzenkandidat im Wahlkreis 7A – Innsbruck Stadt)

https://news.immowelt.at/n/2579-16-eu…hsten.html
http://images.derstandard.at/upload/i…017-09.pdf
http://immopreise.at/Wien/Wohnung/Miete
http://wohnen.raiffeisen.at/Pages/Por…gKkDvD_BwE
http://derstandard.at/2000064028864/I…ungen-leer
http://orf.at/stories/2405934/2405935/
http://www.krone.at/tirol/eichhof-dia…ory-564370
http://www.kpoeplus.at/programm_alt

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