Zimperlich am Brenner

Nach jeder Brenner-Demo gegen die bevorstehenden „Flüchtlingsbarrikaden“ der gleiche Senf: Berufsdemonstrat_innen, linkslinke Chaot_innen die eskalieren, Straßenschlachten liefern, Verwüstung und Eigentumsschädigung verursachen und denen Gewaltbereitschaft nicht fern ist. Die Brennerianer_innen haben es satt – erste (Unternehmer_innen) überlegen den Abzug.

13Das „Brennergeschäft“ mit billigen Fetzen, Spumante, Proscuitto oder Zigaretten – wie es viele Nordtiroler_innen vor Jahren kannten ist schon seit längeren kaputt. Neben dem immer größer werdenden Outlet-Center sind seit einigen Jahren immer mehr leere Geschäftslokale zu finden.

Zimperlichkeit über die Demofolgen mit ein paar pyrotechnische Bangalos und Pflastersteinen ist am Brenner nicht angebracht. Der „bumsende Freiheitskampf“ mit den 42 – mit viel gefährlicheren Bomben – gesprengten Strommasten wird heute noch nördlich und südlich des Brenners heroisiert. „Menschliche Kollateralschäden“ wurden damals (und heute noch?) in Kauf genommen. In der sogenannten Feuernacht wurde ein Straßenwärter getötet, als er einen „Blindgänger“ fand und dieser detonierte.

Trotzdem ist es zu verstehen, dass manche Brenner-Bewohner_innen aufgrund der letzten „Demo-Inszenierung“ und der Horror-Presseberichterstattung Angst empfinden. Welche Angst müssen erst die „staatlich bekämpften“ Flüchtlinge empfinden – geflohen vor Krieg, vor Gewalt und Vergewaltigung, Elend und Armut werden sie mit Zäunen und Stacheldraht, Polizei und Militär, Fremdenfeindlichkeit und Hass „willkommen“ empfangen.

Ist der Protest und sind die Demonstrationen nicht gerechtfertigt? Sind die Feuerwerkskörper und Pflastersteine nicht eine unverhältnismäßige kleine Gefahr gegenüber die „erlebte Gewalt“ der ankommenden Flüchtlinge?